[Road to Hallelujah] Schnipsel #2

Wie versprochen, gibt es Abwechslung für euch! Und da ich Sarah das letzte Mal vorgestellt habe, kommt jetzt auch gleich eine Szene aus ihrer Sicht! Viel Spaß – und nicht vergessen: am 04.06!! ist es soweit *freu* ❤ Was möchtet ihr als nächstes haben? Ein Charaktervorstellung, einen Schnipsel von Sarah oder von Johnny? It’s up to you! 🙂

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(Sarah)
  Soweit ich wusste, war er zu einem Aufreißer der schlimmen Sorte geworden. Sein Geld verdiente er durchs Kellnern, mit seiner Gitarre oder als Surflehrer, wenn er in fremden Ländern auf Achse war. Genau das war auch der Grund, warum Nat wollte, dass ich mit ihm ging – weil er bereits mehrmals gereist war und sich in der Welt auskannte. Trotzdem hatte ich durch all meine Erinnerungen den Verdacht, dass eher ich das Kindermädchen spielen würde. Eine wahre Freude.
Nun, da ich mich mit Nats Plan bereits abgefunden hatte, versuchte Bianca, mir die Sache wieder auszureden. Im Schneidersitz saß ich auf ihrem Bett und zupfte an einem losen Jeansfaden meiner kurzen Shorts, während sie im Zimmer hin und her tigerte. Was sie bereits seit geschätzten zehn Minuten tat und ein schlechtes Zeichen war, da sie sonst weniger Ausdauer besaß.
»Ich kann es nicht glauben. Warum um Himmels Willen möchte Nat, dass du mit einem Wildfremden abhaust? Wer weiß, was dieser Typ alles mit dir anstellen könnte.«
Bianca ging noch ein paar Schritte, dann blieb sie mitten in der Bewegung stehen, drehte sich in meine Richtung und riss ihre hellbraunen Augen auf. »Was, wenn er dir was antut, dich in eine dunkle Ecke zerrt und … Na ja, du weißt schon was versucht?«
Mir war nicht zum Lachen zumute, aber ihre übertriebe, den Teufel an die Wand malende Art zauberte nichtsdestotrotz ein Lächeln auf meine Lippen. »Ich denke, genau dieses Szenario möchte Nat dadurch vermeiden, weißt du.«
Sie blieb noch immer im Raum stehen, spielte aber mit ihren Fingern herum, zupfte an einem Nagel, und ich wappnete mich innerlich bereits gegen ihre Bitte, die sie gleich vorbringen würde.
»Sarah, willst du das wirklich machen? Du könntest auch noch nach deinem Studium reisen, es nur ein paar Jahre nach hinten schieben.«
Mein Kopf schüttelte sich bereits ohne mein bewusstes Zutun.
»Nein, das geht nicht. Ich will seit Jahren nach New York, nein, seit einer Ewigkeit, und ich werde mir diesen Traum nicht auch noch nehmen lassen. Nat hat versprochen, dass er auf Mum aufpasst, solange sie hier sein wird.«
Mit hängenden Schultern kam Bianca zum Bett und setzte sich ebenfalls im Schneidersitz neben mich. »Mach dir keinen Kopf um deine Mum oder Nat. Ich verspreche dir, dass ich ein Auge auf sie haben werde. Ernsthaft – ich mache mir keine Sorgen um deine Mutter, sondern um dich.«
Sie griff nach meiner Hand und ihre kalten Finger umschlossen sie, so dass ich leicht zusammenzuckte. Nicht, weil ich es nicht gewöhnt war – Bianca hatte immer kalte Finger, egal was wir dagegen unternommen hatten. Irgendwann hatten wir auch das Teetrinken und die Traditionelle Chinesische Medizin aufgegeben. Seitdem war ich ihre persönliche Handwärmerin, immer wenn gerade kein fester Freund oder ein Flirt auf einer Party zugegen war. Aber heute war es anders, heute machten mir ihre kalten Finger Angst, da sie mich festhalten und vielleicht zum Bleiben bewegten konnten. Das wollte ich nicht, auf keinen Fall, auch wenn es egoistisch war. Obwohl mir Biancas Hände, eingequetscht zwischen meinen, vertraut waren und mir unheimlich fehlen würden. Aber ich musste hier raus und wenn es nur für zwei, drei Monate war. Ich musste die Welt entdecken.

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